Rückblick auf unseren ersten Kundenanlass 2026

Am 2. Juni 2026 fand unser erster Kundenanlass in diesem Jahr im Zunfthaus zur Meisen in Zürich statt. Unter dem Titel «Zwischen Anspruch und Umsetzung – Digitale Transformation im öffentlichen Sektor» durften wir mehr als 60 Persönlichkeiten aus Bund, Kantonen, Polizei, Justiz und Gesundheitswesen begrüssen. Vier Vorträge und zahlreiche Gespräche prägten einen Abend, der uns auch jetzt noch beschäftigt.

Quo Vadis, Künzli?

Den Auftakt machte Roberto Martullo, CEO der Künzli AG. Mit seiner Erfahrung und Vision rund um die Marke Künzli-Schuhe zeigte er, wie eine traditionsreiche Schweizer Marke ihre Identität bewahrt und gleichzeitig den Mut zur Weiterentwicklung findet. Wichtige Themen waren der Umgang mit veränderten Marktbedingungen, die Bedeutung von Markenführung über Generationen hinweg und die Frage, was eine Marke ausmacht, wenn sich Konsumverhalten, Produktion und Vertriebskanäle laufend wandeln.

Neuer Blickwinkel auf Führung, Zeit und Sinn

Bruno Jenny, Verwaltungsrat der Ehrenreich AG, eröffnete einen neuen Blickwinkel auf die Rolle moderner Führungskräfte. Sein Einstieg machte die Geschwindigkeit der Veränderung sichtbar: Während das Radio 38 Jahre brauchte, um 50 Millionen Nutzer zu erreichen, schaffte das ChatGPT in fünf Tagen.

Im Zentrum seines Vortrags standen sechs Bereiche, in denen sich moderne Führung beweist: der Umgang mit sich selbst, mit der Zeit, mit Problemen, mit Qualität, mit den eigenen Kompetenzen und mit dem Führungsstil. Besonders wertvoll war seine Auseinandersetzung mit der «Perfektionsfalle»: Mit 20 Prozent Aufwand erreichen wir 80 Prozent der Qualität. Die letzten 20 Prozent verschlingen die restlichen 80 Prozent unserer Zeit. Wer in Projekten erfolgreich sein will, muss erkennen, wann gut genug wirklich gut genug ist.

Sein Fazit: Moderne Führungskräfte sind zukunftsorientierte Menschen, die mit dem Wissen aus der Vergangenheit und der Inspiration der Gegenwart die Innovationen für morgen sicherstellen. Ein Servant-Leadership-Verständnis, das im öffentlichen Sektor besonders gut passt. Dort funktioniert Führung weniger über Macht und mehr über Vertrauen.

Disruptive neue Technologien – Funktionalität, Synergien und Auswirkungen

Prof. em. Dr. Hannes P. Lubich ordnete die aktuellen Technologien ein: IoT, Robotik, Künstliche Intelligenz und Quantencomputer. Sein Ansatz war pragmatisch. Drei Alternativen im Umgang nannte er: ignorieren, sich schützen oder aktiv nutzen. Mit dem Hinweis, dass Kriminelle und Aufklärungsdienste längst bei der dritten Alternative angekommen sind.

Besonders eindrücklich war seine Einordnung des dringlichen Handlungsbedarfs bei der Postquantum-Chiffrierung. Bestehende Verfahren wie RSA werden mit dem Fortschritt der Quantencomputer angreifbar. Die NIST hat die ersten quantensicheren Algorithmen benannt, die Software ist verfügbar – die Umstellung muss aber jetzt geplant werden. Das gilt für Behörden mit langlebigen Datenbeständen besonders, da bereits heute verschlüsselte Daten in Zukunft entschlüsselt werden könnten.

Unser Fazit: Die einzelnen Technologien sind das eine. Die Wechselwirkung zwischen KI, Quantencomputern, IoT und autonomer Robotik ist das andere und sie beschleunigt die Digitalisierung in einer Geschwindigkeit, die ein bewusstes Steuern verlangt.

Projektmanagement mit KI

Den Abschluss bildete Nicolai Ehrenreich, Geschäftsführer der Ehrenreich AG, mit einer praxisnahen Einordnung: Wo steht KI im Projektmanagement heute?

Drei Reifegrade unterschied er. Belastbar im Alltag ist KI heute bei Texterstellung, Zusammenfassungen, Recherchen, Protokollen und ersten Drafts von Dokumenten. Mit Vorbehalt einsetzbar, also mit menschlicher Prüfung, ist sie bei Aufwand- und Risikoschätzungen, Statusberichten, Reviews und Stakeholder-Analysen. Nicht zuverlässig ist sie weiterhin bei autonomen Projektentscheidungen, verbindlicher rechtlicher Subsumption oder vollautomatischen Vergabeempfehlungen.

Konkrete Praxisbeispiele rundeten den Vortrag ab: KI hilft, Risikohinweise aus Protokollen und Korrespondenz zu bündeln, das Risikoregister konsistent zu pflegen und Statusberichte aus heterogenen Quellen zusammenzuführen. Wichtig dabei: KI bereitet auf, der Mensch entscheidet. Verantwortung bleibt Verantwortung.

Im Schlussteil ordnete er die zentralen Risiken ein, die Behörden kennen müssen: Datenschutz nach revDSG, Amtsgeheimnis nach Art. 320 StGB, Halluzinationen, Reproduzierbarkeit, Bias, Vendor Lock-in und das Vergaberecht nach IVöB und BöB. Ein Ausblick auf den Launch unseres ersten eigenen KI-Tools im Herbst 2026 schloss den Vortrag ab.

Diskussion und Apéro

Im Anschluss diskutierten die Speaker mit dem Publikum. Was bleibt, sind nicht nur die Inhalte der Vorträge, sondern auch die Gespräche beim Apéro über Erfahrungen aus laufenden Projekten, über offene Fragen und über das, was sich gerade in der Verwaltung bewegt.

Durch den Abend führte Sonia Kälin als Moderatorin, fotografisch begleitet von Sandra Marusic.

Vertiefung gewünscht?

Die Themen des Abends greifen wir auch in unseren Schulungen auf. Unter anderem bieten wir den zweitägigen Kurs «Projektmanagement mit KI» an, in dem Projektleitende den verantwortungsvollen Einsatz von KI in HERMES-, Scrum- und hybriden Vorhaben praxisnah einüben. Termine und Inhalte finden Sie in unserem Schulungsangebot.

Ein Folgeanlass im Herbst 2026 ist in Planung. Wer als Erstes davon erfahren möchte, kann sich für unseren Newsletter anmelden.

Wir bedanken uns bei unseren Speakern und bei den Gästen, die diesen Abend mit uns geteilt haben.

Herzlich, Ihr Team der Ehrenreich AG

Laura Alessandra Brunner

Über den Autor

Laura Alessandra Brunner – Projektleiterin

Laura Alessandra Brunner ist Projektleiterin bei der Ehrenreich AG und begleitet Digitalisierungsvorhaben im öffentlichen Sektor von der Planung bis zur Einführung. Ihr Fokus liegt auf strukturierter Projektführung, Anforderungsmanagement und der Zusammenarbeit mit fachlichen Stakeholdern.

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